Artikelreihe „Telemedizin und eHealth“

Artikel 4: Diabetes

Nadine ist 20 Jahre alt und seit ihrer Kindheit Typ I Diabetikerin. Damit zählt sie zu den rund 300.000 Menschen in Deutschland mit dieser Diagnose. Mehrmals täglich misst Nadine ihren Blutzuckerspiegel, um die richtige Anzahl an Einheiten Insulin, die sie sich spritzen muss, ermitteln zu können. Dies ist vor allem deshalb besonders wichtig, da ein schlecht eingestellter Blutzucker zu Amputationen, Nierenerkrankungen, Erblindungen oder Herz- und Gefäßkomplikationen führen kann. Im schlimmsten Fall können Betroffene sogar an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall sterben.

Nadine steht kurz vor dem Abschluss ihres Studiums und ist mit der Vorbereitung auf die letzten Prüfungen zeitlich eng eingebunden. Wenn sie nicht in der Bibliothek sitzt, findet man sie im Fitnessstudio oder draußen beim Fahrradfahren, Skateboarden oder Inlineskaten. Zusätzlich muss sie die Dokumentation ihrer Blutzuckerwerte in ein Diabetes-Tagebuch und die regemäßigen Arztbesuche zur Kontrolle der gemessenen Werte in ihren Alltag integrieren. Dies stellt für Nadine eine ziemliche Belastung dar.

Bei einem ihrer letzten Arztbesuche teilte der Hausarzt Nadine mit, dass er seinen an Diabetes erkrankten Patienten seit Kurzem auch eine Betreuung über telemedizinische Geräte und Anwendungen anbietet. Dies hat den Vorteil, dass die gemessenen Blutzuckerwerte elektronisch an ihn übermittelt werden können, ohne dass die Patienten selbst in die Praxis kommen müssen. Diese Neuigkeit hat Nadine sofort hellhörig werden lassen und sie bat ihren Arzt darum, sie diesbezüglich genauer zu informieren. Folgende Checkliste muss Nadine beachten:

Checkliste „Diabetikerversorgung mittels Telemedizin“

Was brauche ich?
•     Elektronisches Blutzuckermessgerät sowie eine Diabetes-App für das Smartphone

Wie funktioniert es?
•     Alle elektronisch gemessenen Werte des Blutzuckerspiegels werden erfasst und in einem digitalen Diabetestagebuch auf der dazugehörigen App auf dem Smartphone gespeichert. Sowohl Patient als auch Arzt haben so die Möglichkeit, sich über die App die Entwicklungen der Blutzuckerwerte anzusehen und damit Rückschlüsse auf den Krankheitsverlauf zu ziehen.

•     Des Weiteren wird pro Mahlzeit die Anzahl der aufgenommenen Broteinheiten in der App dokumentiert und daraus die Insulinmenge, die gespritzt werden muss, abgeleitet.

•     Die App ist mit einer Erinnerungsfunktion ausgestattet, die anhand des Zeitpunktes der letzten gesetzten Spritze ermittelt, wann das nächste Mal Insulin verabreicht werden muss.

•     Ampel-System: In der App erfahren Patient und Arzt übersichtlich und in Echtzeit, wie sich die gemessenen Werte seit der letzten Betrachtung im Vergleich zu den vorab festgelegten individuellen Schwellenwerten entwickelt haben.

•     Bemerkungsfeld für Besonderheiten: Hier kann der Patient eine außergewöhnliche sportliche Betätigung, eine Feier oder eine berufliche körperlich Belastung in die App eintragen.

•     Über die App können Tipps für ausreichend Bewegung und eine ausgewogene Ernährung bezogen werden.


Seit Nadine auf die telemedizinische Lösung umgestiegen ist, hat sie nur positive Erfahrungen damit gemacht. Begeistert berichtet sie: „Ich lerne ganz nebenbei, besser mit meiner Krankheit umzugehen. Letzte Woche bekam ich beispielsweise einen Anruf aus der Praxis meines Hausarztes, weil meine Werte nicht ganz so waren, wie sie eigentlich hätten sein sollen. Daraufhin haben wir gleich einen Termin vereinbart, in welchem wir dann meine Medikamente angepasst haben. Zwar muss ich trotzdem noch regelmäßig zu Untersuchungen in die Praxis kommen, aber nicht mehr so oft wie früher und die Sache mit dem Smartphone zu managen ist einfach nur cool.“

Artikel 4: Diabetes

Bei weiteren Fragen rund um die Telemedizin und ihre Anwendungsgebiete steht Ihnen das Team der TÜV SÜD Akademie und der Bayerischen Telemedallianz gerne zur Verfügung.